Die Frage
Wer eine Lücke bis zur Korridorpension schließen muss, hat zwei Wege: Schul- und Studienzeiten nachkaufen oder weiterarbeiten. Beides bringt Versicherungsmonate und Pensionsgutschrift. Welcher Weg ist günstiger?
Die ehrliche Antwort: Das hängt davon ab, woran man es misst. Drei Maßstäbe führen zu drei verschiedenen Antworten – und die meisten Fehlschlüsse entstehen dadurch, dass man sie vermischt.
Die Zahlen
Alles pro einem Versicherungsmonat, Werte 2026. „Beitragsgrundlage" ist der Betrag, von dem die Gutschrift berechnet wird; bei Anstellung inklusive Sonderzahlungen (14 Bezüge auf 12 Versicherungsmonate umgelegt).
| Variante | Beitragsgrundlage | Du zahlst | Beitrag gesamt | Gutschrift |
|---|---|---|---|---|
| Nachkauf | 6.780,70 € | 1.546,00 € | 1.546,00 € | 120,70 € |
| Geringfügig + 1 € | 644,12 € | 66,02 € | 146,86 € | 11,47 € |
| Teilzeit 2.500 € | 2.916,67 € | 298,96 € | 665,00 € | 51,92 € |
| Vollzeit 5.000 € | 5.833,33 € | 597,92 € | 1.330,00 € | 103,83 € |
| Vollzeit 9.000 € (über HBGl) | 8.085,00 € | 828,71 € | 1.843,38 € | 143,91 € |
Die Gutschrift ist eine Jahrespension und wird 14× ausgezahlt. 120,70 € Gutschrift bedeuten also rund 8,62 € mehr Pension pro Monat, lebenslang.
Die Faustformel: was bringen 1.000 €?
Die griffigste Kennzahl, unabhängig von Gehalt und Variante:
1.000 € Gesamtbeitrag → +5,58 € Pension pro Monat, lebenslang.
Das entspricht 78,07 € Jahresgutschrift (14× ausgezahlt). Der Betrag hat sich nach 14,9 Jahren Pensionsbezug wieder eingespielt – brutto, ohne Zinsen.
Zahlst du die 1.000 € aber als Dienstnehmeranteil in einer Anstellung, legt der Dienstgeber 1.224 € dazu. Aus deinen 1.000 € werden dadurch 2.224 € Beitrag:
1.000 € eigener Beitrag → +12,40 € Pension pro Monat · amortisiert nach 6,7 Jahren.
| 1.000 € eingezahlt als … | Pension/Monat | Jahresgutschrift | Amortisation |
|---|---|---|---|
| Nachkauf (100 % dein Geld) | +5,58 € | 78,07 € | 14,9 Jahre |
| Dienstnehmeranteil (DG zahlt 1.224 € dazu) | +12,40 € | 173,66 € | 6,7 Jahre |
Probe am konkreten Fall: Ein Nachkaufmonat kostet 1.546 € und bringt 120,70 € Jahresgutschrift, also 8,62 € mehr Pension pro Monat. 1.546 × 5,58 ÷ 1.000 = 8,62 – die Faustformel trägt.
Maßstab 1: je Euro Gesamtbeitrag → exakt gleich
Teilt man die Gutschrift durch den gesamten Beitrag, kommt in jeder Zeile derselbe Wert heraus:
0,0781 € Gutschrift je 1 € Beitrag – bei Nachkauf wie bei jeder Gehaltshöhe.
Das ist kein Zufall, sondern eine Systemkonstante des APG-Pensionskontos:
1,78 % Kontoprozentsatz ÷ 22,8 % Beitragssatz = 7,81 %
Jeder eingezahlte Euro wird gleich behandelt, egal ob er aus Pflichtbeiträgen oder aus einem Nachkauf stammt. Nach diesem Maßstab ist kein Weg effizienter als der andere.
Maßstab 2: je Euro aus deiner Tasche → Arbeiten gewinnt klar
Hier liegt der eigentliche Unterschied – er hat nichts mit dem Pensionssystem zu tun, sondern damit, wer zahlt:
| Dein Anteil | Dienstgeber | Gutschrift je € von dir | |
|---|---|---|---|
| Nachkauf | 100 % | – | 0,0781 € |
| Anstellung | 10,25 von 22,8 Prozentpunkten = 45 % | 12,55 Prozentpunkte = 55 % | 0,1737 € |
Bei einer Anstellung zahlt der Dienstgeber 55 % der Pensionsbeiträge. Aus deiner Sicht ist Arbeiten deshalb 2,22× effizienter als Nachkaufen – unabhängig von der Gehaltshöhe.
Maßstab 3: je Versicherungsmonat → Nachkauf bringt mehr
Ein nachgekaufter Monat bringt 120,70 € Gutschrift, ein Monat geringfügig + 1 € nur 11,47 € – das 10,5-fache. Das ist aber keine Effizienz, sondern schlicht Menge: Der Nachkauf kauft einen Monat auf einer 12,3× höheren Beitragsgrundlage ein. Mehr Gutschrift, weil mehr bezahlt.
Der Höchstsatz zeigt das besonders deutlich:
1.580,04 € = 6.930 € × 22,8 % — Höchstbeitragsgrundlage × Beitragssatz
Ein nachgekaufter Monat ist also ein fiktiver Beitragsmonat nahe der Höchstbeitragsgrundlage, bei dem du beide Anteile selbst trägst. Das erklärt Kosten und Ertrag in einem Satz.
Beispiel: 36 fehlende Monate schließen
Angenommen, bis zu den 504 Versicherungsmonaten der Korridorpension fehlen drei Jahre.
| Du zahlst | Dienstgeber zahlt | Gutschrift | |
|---|---|---|---|
| 36 Monate nachkaufen | 55.656 € | – | 4.345 €/Jahr |
| 36 Monate geringfügig + 1 € | 2.377 € | 2.910 € | 413 €/Jahr |
Geht es nur darum, die Monatsschwelle zu erreichen, ist die Anstellung rund 23× billiger. Geht es um Pensionshöhe, bringt der Nachkauf gut das Zehnfache – kostet dafür aber auch das Zwanzigfache.
Dazu kommt: Über der Geringfügigkeitsgrenze bist du vollversichert. Die KV-Selbstversicherung von 6.783 €/Jahr entfällt, und dein Einkommen senkt den Kapitalbedarf zusätzlich. Im Rechner bildet das die Checkbox „Bis zum Antritt geringfügig + 1 € arbeiten" ab.
Wann der Nachkauf trotzdem der richtige Weg ist
- Vergangenheit lässt sich nicht nachträglich arbeiten. Wer heute Monate braucht, kann sie nur kaufen oder künftig erwerben – und künftige Monate brauchen Zeit, die bis zum Wunschantritt vielleicht nicht mehr da ist.
- Man braucht jemanden, der einen anstellt. Das ist die eigentliche Hürde, nicht der Beitragssatz.
- Steuerlich absetzbar. Der Nachkauf ist Sonderausgabe im Jahr der Zahlung. Bei hohem Grenzsteuersatz sinken die Nettokosten deutlich – im Rechner ausgewiesen. Wichtig: sinnvoll auf mehrere Jahre verteilen, sonst übersteigt die Jahresrate das absetzbare Einkommen und ein Teil verpufft.
- Am Stichtag der Korridorpension darf kein Erwerbseinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze bestehen – eine Anstellung muss bis dahin enden oder reduziert werden.
Was der Nachkauf kostet
Die Kosten hängen nicht vom Einkommen ab, sondern vom Antragsjahr und vom Kalenderjahr der Ausbildung. Bei Antragstellung 2026:
| Ausbildungszeit | Beitrag je Monat |
|---|---|
| vor 1.1.2005 | 1.580,04 € |
| ab 2005 (je nach Jahr) | 1.512,70 € – 1.580,04 € |
| im Rechner verwendet | 1.546 € (Mitte der Spanne) |
Die Spanne beträgt nur 4,5 %. Der Rechner nimmt die Mitte, wodurch die Abweichung in beide Richtungen unter 2,3 % bleibt – eine exakte Abbildung nach Ausbildungsjahr wäre viel Aufwand für wenig Genauigkeitsgewinn.
Ein Risikozuschlag (Faktor 2,34 ab dem 60. Geburtstag) existiert nur für Jahrgänge vor 1955. Eine Ausnahme senkt die Kosten: Wer während der Ausbildungszeit bereits erwerbstätig war, bekommt eine entsprechend verminderte Beitragsgrundlage.
Quellen
- PV – Nachkauf von Schul-, Studien- und Ausbildungszeiten (PDF)
- WKO – Nachkauf: Kostentabelle je Ausbildungsjahr
- oesterreich.gv.at – Nachkauf von Schul-, Studien- und Ausbildungszeiten
- PV – Korridorpension
- PV – Offizieller Pensionskontorechner
- WKO – Gewerbliche Sozialversicherungsbeiträge (GSVG 18,5 %)
- WKO – Beitragswesen Dienstnehmer 2026 (ASVG 22,8 %, davon 10,25 % Dienstnehmer)
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